Stellungnahme in Sachen Thomas Wüppesahl:

  1. Wikipedia zu seiner Person 

Wenn man seinen Namen bei Wikipedia googelt, erscheint seit wenigen Monaten rechts im Kurzauszug des Namensartikels zu seiner Person gleich im 3. Satz die Darstellung einer erlassenen Verurteilung aus 2005.
Wenn jemand beispielsweise Uli Hoeneß googelt, erfolgt kein Hinweis auf dessen Steuerstraftat mit mehrjähriger Haftstrafe. Nun war Hoeneß nie Politiker und wird es auch nicht sein. Auch wenn man, als weiteres Beispiel z.B. Jörg Tauss, bis 2009 MdB der SPD und zuletzt der Piratenpartei, googelt, erfolgt kein Vorab- Hinweis auf dessen Verurteilung.

Nun kann man denjenigen, die an eine „rechtmäßige“ Verurteilung von Wüppesahl (genau wie Tauss) nach den bereits bekannt gemachten Fakten glauben, nicht wirklich helfen. Einige glauben dann halt auch an den Weihnachtsmann…

  1. Über die Person wird die BAG Kritische Polizisten ausgegrenzt

Dieser Tage hatten zwei Fernsehsender bei uns Kritischen angefragt, ob wir zu Interviews zum Thema Polizeigewalt in der BRD zur Verfügung stünden. Mit beiden Sendern waren Aufnahmen vereinbart, Kamerateams sollten entsandt werden. Beide Sender sagten ohne Begründung ab.

Der Hintergrund ist ofensichtlich klar. Man will nicht von jemandem, der wegen eines angeblich vorbereiteten brutalen Raubmordmordes verurteilt ist, etwas zu dem Thema Polizeigewalt hören. Dazu könnte man eine ganze Liste von Argumenten anführen. Hier jetzt nur ein Gesichtspunkt: Nach dem systemtheorethischen Bild des Grundgesetzes soll jeder der eine Haftstrafe – erst recht natürlich bei zu Unrecht erlittener Haft – abgesessen hat, wieder als normales Glied der Gesellschaft, gewissermaßen bei Null anfangend, leben können. Das hat auch etwas mit Resozialisierung zu tun, die bekanntlich schwer bis gar nicht funktioniert.

Hier – auch wie der überhaupt nicht neutral Laden von Wikipedia funktioniert, der nicht bloß von Rechts dominiert ist, sondern permanent von sogar bezahlten AuftragsarbeiterInnen für Konzerne wie Personen und andere Organisationen manipuliert wird – findet aus strategischen Gründen eine über das Fehlurteil vom 7. Juli 2005 hinausgehende Stigmatisierung und Ausgrenzung der Sonderklasse statt.

Wir haben als Angehörige und ehemalige Angehörige der Polizei gute Gründe, weshalb wir nicht nach außen treten. Die wurden in unseren Presseverlautbarungen des öfteren kommuniziert. Jeder der als PolizeibeamtIn in die Nähe bzw. als Mitglied der Kritischen gerückt werden kann, bekommt Probleme. Und nicht zu wenige.
Wir hoffen zum einen, dass Thomas weiterhin zur Verfügung steht, unser Projekt am Leben zu erhalten und zum anderen, dass es, wie bis zur Wende, wieder Zeiten gibt, zu denen wir uns offen zu unserer Meinung bekennen können. Dann wird es auch Nachteile für uns geben, so wie in den 80er Jahren gegen unsere Aktiven, aber ein solches Maß wäre dann zumindest erträglich auszuhalten und es wäre damit zu leben.

Solange sich die Verhältnisse in diesem Land weiter nicht bessern, dass man als kritische(r) PolizeibeamtIn ohne relevante Sanktionen seine Meinung äußern kann, können wir gar nicht anders handeln.
Abgesehen von den Peinlichkeiten für die Medienredaktionen lassen sie sich weiter von den üblichen Verdächtigen aus Polizeigewerkschaften und Politik vollblubbern. Jede(r) wie sie mag und es braucht.

Thomas Wüppesahl war bekanntlich nicht bloß über 30 Jahre selbst mit diversen Spezialverwendungen und rund 10 Jahren Ausbildungszeiten für verschiedenste Verwendungen im hamburgischen Polizeidienst tätig, sondern hat vielfach seine politische Expertise – nicht bloß über die vier Jahre Bundestagszeit – nachgewiesen. Er wie andere von uns sind nach wie vor exzellent vernetzt, einige weiter im aktiven Polizeidienst, sodass auch die von ihm gezeichneten Medienäußerungen, ob zu G 20 in Hamburg, zu Nachrichtendiensten etc. inhaltlich-substanziell bestens abgesichert sind. Ganz im Gegensatz zu viel zweckinteressenbezogenem Gezwitscher von Seiten der allermeisten Innenminister oder Gewerkschaftsfunktionäre.